Für Geschäftsführer
Wo KI in der GuV eines Herstellers hingehört
Im Service erzielen Industriehersteller ihre besten Margen. Eine Übersicht der Posten in der Gewinn- und Verlustrechnung, die der technische Support berührt, und wo KI sie bewegen kann.

Das meiste, was über KI in der Fertigung geschrieben wird, handelt von der Werkshalle: Bildverarbeitung, vorausschauende Wartung, Fertigungsplanung. Die weniger glanzvolle Chance liegt in der Zeit nach der Auslieferung, in den Stunden, die ein Hersteller damit verbringt, anderen bei Montage und Reparatur seines Produkts zu helfen. Dort liegt die Marge.
Kurz gefasst
- Im Service erzielen Industriehersteller ihre besten Margen: McKinsey und Bain sehen die Margen im Aftermarket-Geschäft beide deutlich über denen bei Neuanlagen.
- Der technische Support berührt sieben Posten der Gewinn- und Verlustrechnung. Auf zwei davon wirkt ein Guide selbst, die übrigen hängen davon ab, was die Installateure anschließend tun.
- Verlässlich ist KI hier in einem ganz bestimmten Einsatz: dem Installateur die dokumentierte Antwort liefern und andere Fragen an einen Menschen übergeben.
Service ist der profitablere Teil des Geschäfts
Zwei der großen Beratungshäuser haben veröffentlicht, wie groß der Abstand ist zwischen dem, was Hersteller an Neuanlagen verdienen, und dem, was sie nach dem Verkauf am Service verdienen. Sie messen unterschiedliche Margen an unterschiedlichen Stichproben. Die beiden Diagramme unten lassen sich daher nicht miteinander vergleichen. Jedes vergleicht Service und Neuanlagen innerhalb einer Studie.
Marge im Service gegenüber Marge bei Neuanlagen
Zwei Studien, zwei unterschiedliche Margenkennzahlen. Vergleichen Sie innerhalb eines Diagramms, nicht zwischen beiden
Bain, Bruttomarge
McKinsey, EBIT-Marge
McKinseys Einschätzung von 2023 ist deutlicher: Die Margen bei Aftermarket-Services sind fast immer mindestens doppelt so hoch wie die Margen bei Neugeräten. Bain stellte fest, dass der Service in seiner Stichprobe bereits 22 % des Umsatzes ausmachte und von 2010 bis 2013 um 9 % pro Jahr gewachsen war, gegenüber 5 % bei Anlagen.
Für einen Hersteller, der über Händler und Installateure verkauft, ist ein großer Teil des „Service“ gar kein Vertrag. Es ist die technische Hotline, der Servicetechniker, der klärt, was der Installateur nicht lösen konnte, und der Gewährleistungsfall, wenn ein Produkt falsch eingerichtet wurde. Diese Kosten gehen direkt von dieser Marge ab.

Wo der technische Support in der GuV steht
Sieben Posten in drei Teilen der Rechnung. Auf zwei davon bewirkt ein Guide selbst etwas. Bei den anderen fünf hängt die Wirkung davon ab, was die Installateure anschließend tun.
Posten in der GuV, die der technische Support berührt
Was ein Guide bei jedem Posten bewirkt. Eine Übersicht, keine Messung
Umsatz
Serviceverträge und ErsatzteileHängt davon ab, was Installateure anschließend tun
Ein Installateur, der die Antwort vor Ort bekommt, kann den Auftrag abschließen. Ob sich das im Umsatz mit Ersatzteilen und Serviceverträgen niederschlägt, können Sie selbst messen.
Verkauf neuer Produkte über InstallateureHängt davon ab, was Installateure anschließend tun
Installateure empfehlen die Marke, die antwortet. Ein veröffentlichter Guide beantwortet dokumentierte Fragen zu jeder Uhrzeit.
Umsatzkosten
Gewährleistungsfälle durch MontagefehlerHängt davon ab, was Installateure anschließend tun
Ein Guide legt dem Installateur Ihre dokumentierte Reihenfolge vor. Ob die Zahl der Fälle sinkt, gilt es zu messen.
Folgeeinsätze und Teile ohne BefundHängt davon ab, was Installateure anschließend tun
Ein Guide kann den Installateur durch Ihre dokumentierten Prüfungen führen, bevor ein Teil als defekt eingestuft wird.
Betriebskosten
Gehälter im technischen SupportWas das Produkt leistet
Dokumentierte Fragen können zu jeder Uhrzeit aus einem veröffentlichten Guide beantwortet werden.
Entwicklungszeit, die in den Support fließtWas das Produkt leistet
Fragen, die an einen Menschen übergeben werden, kommen im selben Gespräch an, die früheren Nachrichten bleiben sichtbar.
SchulungHängt davon ab, was Installateure anschließend tun
Das in der Schulung vermittelte Vorgehen kann dem Installateur danach auf die Baustelle geschickt werden.
Wofür KI hier tatsächlich taugt
Die beste Evidenz zu KI in der Supportarbeit stammt aus einer Studie mit 5.179 Kundensupport-Mitarbeitern eines einzelnen Unternehmens, veröffentlicht vom US-amerikanischen National Bureau of Economic Research. Laut dem Arbeitspapier erhöhte ein generativer KI-Assistent die Zahl der pro Stunde gelösten Fälle im Durchschnitt um 14 %. Der Effekt konzentrierte sich auf Berufsanfänger und gering qualifizierte Mitarbeiter, die sich um 34 % verbesserten, während er bei den erfahrensten minimal ausfiel. Das war ein generativer Assistent, der Mitarbeiter eines Softwareunternehmens unterstützte, kein Guide, der Installateuren antwortet.
Das Werkzeug hat die Experten nicht schneller gemacht. Es hat allen anderen Zugang zu dem verschafft, was die Experten wussten.
Dieselbe Aufgabe erfüllt ein Guide für ein Installateurnetz: Der Installateur, der dieses Modell noch nie montiert hat, bekommt die Antwort, die Ihr bester Techniker geben würde.
McKinseys Schätzung von 2023, generative KI könne die Produktivität im Kundenservice um einen Betrag steigern, der 30 bis 45 % der Kosten dieser Funktion entspricht, ist eine Modellrechnung, keine Messung. Sie ist eine Obergrenze, an der man sich orientieren kann, keine Zahl für ein Budget.
Wofür es weiterhin Menschen braucht
KI repariert kein Produkt, das im Feld ausfällt, schreibt nicht die Dokumentation, die Ihnen fehlt, und ersetzt nicht den Ingenieur, der die Störung diagnostiziert, die noch niemand gesehen hat. Bei sicherheitskritischen und regulierten Produkten ist eine KI, die eine Antwort improvisiert, ein Haftungsrisiko und keine Ersparnis. Warum, erläutert der ergänzende Artikel über deterministische und generative KI.
Die nützliche Frage für einen Geschäftsführer ist enger als „Wie sieht unsere KI-Strategie aus“. Sie lautet: Wie viele Stunden im Jahr verbringen unsere Mitarbeiter damit, zu wiederholen, was bereits in unseren Handbüchern steht, und was würden sie stattdessen mit dieser Zeit tun? Die Kostenaufstellung zeigt, wie sich diese Stunden beziffern lassen.
Quellen
- Winning in industrial serviceBain and Company, August 2015. Befragung von 45 europäischen Industrieherstellern, 2014. Die Marge bei Neuanlagen ist in Abbildung 1 des Berichts ausgewiesen.
- Industrial aftermarket services: growing the coreMcKinsey and Company, Juli 2017.
- Aftermarket sales and service are vital to manufacturers’ strategiesMcKinsey and Company, März 2023.
- Generative AI at workBrynjolfsson, Li und Raymond, Arbeitspapier 31161 des National Bureau of Economic Research, April 2023, überarbeitet im November 2023. Die später im Quarterly Journal of Economics (2025) erschienene Fassung nennt 5.172 Mitarbeiter und einen durchschnittlichen Zuwachs von 15 %.
- The economic potential of generative AI: the next productivity frontierMcKinsey Global Institute, Juni 2023.
Häufige Fragen
Wie kann ein Hersteller mit KI seinen Gewinn steigern?
Am verlässlichsten gelingt das im Service, wo Industriehersteller ihre besten Margen erzielen und ein großer Teil der Arbeit darin besteht, dokumentierte Fragen zu beantworten. KI, die Installateure durch vom Hersteller freigegebene Schritte führt, kann dokumentierte Fragen beantworten, ohne einen Ingenieur von anderer Arbeit abzuziehen. Auswirkungen auf Folgeeinsätze und Gewährleistungsfälle sind plausibel, müssen aber im eigenen Unternehmen gemessen werden.
Sind Aftermarket-Services profitabler als Neuanlagen?
Die Untersuchungen der Beratungshäuser kommen durchweg zu diesem Ergebnis. McKinsey nannte über 30 Branchen hinweg eine durchschnittliche EBIT-Marge von 25 % für Aftermarket-Services gegenüber 10 % für Neuanlagen (2017). Bain ermittelte in einer Befragung von 45 europäischen Industrieherstellern eine Bruttomarge von 39 % im Service gegenüber 27 % bei Neuanlagen (2015). Die beiden verwenden unterschiedliche Margenkennzahlen.
Was sagt die Forschung zu KI und Produktivität im Kundensupport?
Eine vom US-amerikanischen National Bureau of Economic Research veröffentlichte Studie mit 5.179 Supportmitarbeitern ergab, dass ein generativer KI-Assistent die Zahl der pro Stunde gelösten Fälle im Durchschnitt um 14 % erhöhte, bei den am wenigsten erfahrenen Mitarbeitern um 34 %, während der Effekt bei den erfahrensten gering blieb.


